Energieeffizient sanieren, ohne soziale Aspekte aus dem Blick zu verlieren //
Wie können bestehende Wohngebäude klimazielkompatibel saniert werden, ohne die Bewohner:innen finanziell zu überfordern?
Dieser Frage widmete sich das Forschungsprojekt SüdSan – Sozialverträgliche, klimazielkompatible Sanierung am Beispiel zweier Mehrfamilienhäuser in der Südtiroler Siedlung in Bludenz.
Gemeinsam mit Partner:innen wie dem Energieinstitut Vorarlberg, der Alpenländischen Gemeinnützigen WohnbauGmbH, der Universität Innsbruck, AEE INTEC, Johannes Kaufmann und Partner GmbH sowie dem E-PLUS Planungsteam wurde demonstriert, wie hochwertige energetische Sanierungen auch bei baukulturell wertvollen Bestandsgebäuden möglich sind – mit Fokus auf Lebenszykluskosten statt reiner Investitionskosten.

Ausgangslage: Sanierungsbedarf im Bestand
Viele kleinere Mehrfamilienhäuser aus der Zeit zwischen den 1920er- und 1960er-Jahren zählen heute zu den energetisch schwächsten Gebäuden. Hohe Heizkosten, geringer Wohnkomfort und fehlende Dämmung prägen diese Bestände.
Im Projekt SüdSan wurden zwei exemplarische Gebäude mit 5 bzw. 10 Wohneinheiten untersucht. Beide befanden sich zu Projektbeginn im Originalzustand, ohne gedämmte Gebäudehülle und mit veralteten Heizsystemen wie Einzelöfen oder direkt elektrischer Beheizung.
Ziel war es, aufzuzeigen, unter welchen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen eine umfassende Sanierung möglich ist – und wie dabei sozialverträgliche Mieten erhalten bleiben können.
Praxisnahe Umsetzung statt theoretischer Konzepte
Im Rahmen des Projekts wurden verschiedene Sanierungsvarianten systematisch entwickelt und bewertet. Dabei standen Energieeffizienz, ökologische Qualität und Lebenszykluskosten gleichwertig im Fokus.
Konkret umfasste die Projektarbeit:
- die Planung und modulare Ausschreibung unterschiedlicher Sanierungsvarianten
- automatisierte Verbrauchsprognosen mittels PHPP-Berechnungen
- die Analyse verschiedener Wärme-, Lüftungs- und Solarkonzepte
- die Umsetzung individuell optimierter Sanierungslösungen pro Gebäude
Beide Gebäude wurden umfassend aufgewertet:
- großflächige Photovoltaikanlagen
- deutliche Verbesserung der Gebäudehülle
- zentrale Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung
- Wärmepumpensysteme für Heizung und Warmwasser
Die Fassade als energetischer Schlüssel
Eine besondere Innovation im Projekt war das praktische Testen eines Flächenheizsystems, das in vorgefertigte Fassadenelemente integriert wurde.
Damit wird Wärme genau dort eingebracht, wo das größte energetische Potenzial liegt: an der Gebäudehülle.
Dieser Ansatz zeigt, wie die Fassade nicht nur als Dämm- und Schutzelement, sondern als aktiver Bestandteil des Energiesystems genutzt werden kann – effizient, platzsparend und ideal für Sanierungen im Bestand.
Ergebnisse mit Signalwirkung
Die umgesetzten Maßnahmen führten zu:
- drastischen Reduktionen des Endenergiebedarfs für Heizung und Warmwasser
- sehr hohen PV-Erträgen
- Spitzenwerten im klimaaktiv-Kriterienkatalog
Ein Gebäude erreichte sogar den EnerPHit-Plus-Standard, der Passivhaus-Niveau und Paris-kompatible Klimaziele für Sanierungen widerspiegelt.
Das begleitende Monitoring läuft weiter, um zusätzliche Erkenntnisse zur Optimierung der Wärmesysteme im Betrieb zu gewinnen. Erste Ergebnisse zeigen klar: Hohe energetische Qualität und soziale Verträglichkeit sind vereinbar – vorausgesetzt, Förderinstrumente werden gezielt eingesetzt.
Sanierung braucht passende Rahmenbedingungen
Ein zentrales Ergebnis von SüdSan ist der Hinweis auf strukturelle Hürden im gemeinnützigen Wohnbau.
Regelungen zu Sanierungsrücklagen und Einschränkungen bei Mieterhöhungen erschweren umfassende energetische Sanierungen – gerade dort, wo sie dringend erforderlich wären.
Diese Erkenntnisse sind nicht nur für einzelne Projekte relevant, sondern liefern wichtige Impulse für politische, rechtliche und fördertechnische Weiterentwicklungen.

Was SüdSan für die Zukunft bedeutet
SüdSan liefert weit mehr als technische Kennzahlen. Das Projekt schafft Übertragbarkeit, Transparenz und Praxiswissen für zukünftige Sanierungen – in Bludenz und darüber hinaus.
Die Kombination aus Lebenszykluskosten-Analysen, realem Betrieb und dokumentierten Planungsprozessen macht SüdSan zu einem Modellprojekt für die klimaneutrale Weiterentwicklung des Gebäudebestands.
Mehr zum Projekt
Weitere Informationen finden Sie HIER auf der offiziellen Projektwebsite von SüdSan.
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Bericht: Thomas Buchsteiner, Geschäftsführer TOWERN3000 Projekt- & Medienagentur GmbH